Lautloses Gleiten im Wind
Die Segelflieger des ASC Dudweiler erobern von Marpingen aus den Himmel
Seit 50 Jahren sind Mitglieder des ASC Dudweiler der Faszination des
Fliegens verfallen. In der Stille eines Segelflugzeugcockpits erleben
sie die Schönheit des Landes aus einer einzigartigen Perspektive.
Von SZ-Mitarbeiter
Igor Schindler
SZ-Mitarbeiter Igor Schindler, selbst
Segelflieger, machte diese Aufnahme über Marpingen aus dem Cockpit,
während Otto Rothfuchs das Flugzeug steuerte. Foto: Schindler
Marpingen/Dudweiler. „Seil
straff!“, ruft der Startleiter. Das Segelflugzeug ruckt nach vorne und
beschleunigt in zwei bis drei Sekunden von 0 auf 100 km/h. Kurz danach
hebt das Flugzeug ab. In 50 Metern Höhe ein Kontrollblick nach unten
und dann ein gleichmäßiger Übergang in die Steigfluglage. In circa 300
Metern klinkt das Seil aus. Jetzt beginnt der eigentliche Segelflug.
Seit 44 Jahren kennt Otto Rothfuchs (55) das Startritual mit einem
Segelflugzeug. Als zweiter Vorsitzender der Flugsportabteilung des ASC
Dudweiler und ehemaliger Präsident (1992 bis 2007) des Saarländischen
Aero-Clubs ist er einer der vielen Fluglehrer des Vereins. 1959 wurde
der Verein zunächst als „Flugsportfreunde Sulzbachtal“ gegründet.
Schon ein Jahr später traten die Flugsportbegeisterten dem
ASC-Dudweiler bei, einem der größten saarländischen Vereine. Anfangs
wurde auf dem Flugplatz Ensheim geflogen. Nachdem dieser Anfang der
siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zum internationalen Flughafen
umgebaut wurde, fanden die Saarbrücker Flugsportvereine ihre neue
Heimat am Flugplatz Marpingen.
Nicht zuletzt dank Rothfuchs
wurde dieser Platz zum Landes-Leistungs-Segelflugzentrum-Saar (LLSZS)
erweitert. Trotz des Umzugs in das nördliche Saarland sind die
Werkstätten für die Flugzeuge in Dudweiler. In der Nähe, genauer in der
Alten Villa, bietet der Verein seinen Mitgliedern im Winter kostenlosen
Theorieunterricht. Die Abteilung Flugsport des ASC Dudweiler ist stolz
auf die Vielfalt in ihren Reihen. „Wir haben Mitglieder zwischen 16 und
63 Jahren. Es sind Schüler, Studenten, Berufstätige und Rentner“, merkt
Otto Rothfuchs aus Dudweiler an. Zurzeit hat der Verein zehn
Flugschüler.
Wie erfolgreich die Ausbildung im Verein läuft,
zeigt die Teilnahme von drei Jugendlichen des Vereins am
Bundesjugendvergleichsfliegen 2008 in Laucha und die hundertprozentige
Erfolgquote bei Prüfungen.
Flugschüler Klaus Zimmer aus
Dudweiler übt gerade Ziellandungen. Er will auf einen anderen
Segelflugzeug-Typ umsteigen. „Durch Zufall bin ich zum Segelfliegen
gekommen. Vor drei Jahren habe ich meiner damals vierzehnjährigen
Tochter Anna einen Schnupperkurs zum Geburtstag geschenkt. Seitdem
fliegen wir beide“, sagt der 41-Jährige.
Diese Schnupperkurse
bieten den Leuten die Möglichkeit, ein Wochenende lang zu erleben, wie
faszinierend Segelfliegen ist. Richard Martens (33) aus Saarbrücken hat
gerade so einen Schnupperkurs mitgemacht. Er sagt: „Das Fliegen ohne
Motor ist einfach klasse. Und man kann wirklich die Ruhe da oben
genießen.“ Mit einem Flugzeugpark, der sich sehen lassen kann, versucht
der Verein, auf die Wünsche seiner Mitglieder einzugehen. Von
Schulflugzeugen über eine Motormaschine bis hin zu Segelflugzeugen für
den Leistungssport ist alles vertreten.
„Delta-5910 an der
Position zur Landung 28!“ Otto Rothfuchs steuert das Segelflugzeug in
den Endanflug. Er zieht die Bremsklappen. Mit etwa 110 km/h schwebt das
Flugzeug an. Kurz vor dem Boden fängt er ab, und das Flugzeug setzt
sich sanft auf die Graspiste.
Nun schnell wieder an den Start. Denn der nächste Flugschüler wartet schon.
www.asc-flugsport.de
„Wir haben Mitglieder zwischen
16 und 63 Jahren.“
Quelle: Saarbrücker Zeitung, erschienen am 22.08.2009, Resort: Lokales